Dann sollen sie doch Kuchen essen

Herr Becker sollte eigentlich Herr Schlachter heißen, schließlich arbeitete er schon seit fast 40 Jahren in der Fleischindustrie. Also, das heißt, nur wenn man die ersten Erfahrungen als Jugendlicher bei seinem Vater auf dem Hof mit den 2 Schweinen im Jahr mitzählt. Aber auch sonst war seine Karriere beachtlich. Er hatte Glück gehabt, dass er rechtzeitig in den Großbetrieb gewechselt war. Dadurch konnte er über die Jahre noch zum Schichtleiter aufsteigen und hatte einen festen Vertrag. Er musste nicht, wie die anderen polnischen Kollegen, mit absurden Werkverträgen faktisch unter dem alten Mindestlohn arbeiten. Aber seit dem die Fleischpreise durch eine Grünen Kampagne nach der anderen so stark gestiegen waren, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie auch bei ihm im Betrieb Stellen streichen mussten. Die Leute aßen mittlerweile fast nur noch halb so viel Fleisch wie noch Mitte der 2010er Jahre. Toll für das Klima aber halt schlecht für die Schlachter. Und dann kam es für Becker doch ganz tragisch: Weiterlesen „Dann sollen sie doch Kuchen essen“

Ein Witz von einem Gehalt

Treffen sich zwei Juristen. Sagt der Arbeitslose zu dem mit Arbeit: „Einmal zum Bahnhof bitte.“ – „Geht klar, Chef“, sagt der andere, reiht sich mit dem alten Benz in den Verkehr ein und macht das Taximeter an. Nach den Radiomeldungen über die neuen Obergrenzen bei den Managergehältern kommen die beiden ins Gespräch. „Wer will denn bei 400.000 noch Manager von so einem Konzern sein?“ regt sich der Taxifahrer auf. „Man muss echt mal nachdenken, was dann passiert, wenn die guten Leute alle ins Ausland abwandern!“ „Ach ja, wirklich?“ fragt der Fahrgast zurück. „Eigentlich sollte das doch ein toller Job sein. Den würden doch sicher viele gern machen. Da wird sich auch bei 400.000 im Jahr jemand finden.“ – „400.000 im Monat. Wir sind immer noch bei 400.000 im Monat. Weiterlesen „Ein Witz von einem Gehalt“

Das Land wo Milch und Honig fließen

„Milchseen und Butterberge, das ist das Thema von deinem Referat nächste Woche?“ fragte ich ihn als ich ihm seinen Müsli hinstellte. „Nein Papa, eigentlich soll ich über den ‚Preisverfall bei Milch in 2016‘ reden. Aber die Milchseen und Butterberge gehören da doch irgendwie dazu, oder?“ Ich lehnte mich an den Kühlschrank, nippte an meinem Kaffee und sah zu wie der kleine Mann brav sein Frühstück in sich rein schaufelte. „Ja ja, auf jeden Fall. Damals hat irgendsoeine Politik von der EU zu richtig krasser Überproduktion geführt. Aber so ganz hab ich das nie verstanden, muss ich gestehen.“ – „Aber Papa, sowas lernt doch jedes Kind in Wirtschaftsgeschichte!“ Er legte den Löffel weg, schob sich die Brille hoch und setzte sich in seine Erklärposition. „Für die Ernährungssicherheit nach dem Krieg hat die EG damals den Bauern zugesagt, dass sie alle ihre Produkte abkaufen würde. Und weil dann wie heute ein guter Preis garantiert wurde, haben alle wie wild angefangen zu produzieren. Alle hatten dann genug zu essen. Aber weil dann zu viel hergestellt wurde, musste man die Menge beschränken. Also gab es die Milchquote. ‚Ein komplett kontrollierter Markt, wie in der DDR‘, Weiterlesen „Das Land wo Milch und Honig fließen“

Brötchen

„Schatz, ich habe extra frische Brötchen vom Bäcker für’s Frühstück geholt.“ Keine Antwort. Ich leg den Schlüssel in die Schale, ziehe die Schuhe aus und hänge die Jacke auf. „Schatz, ich hab sogar zwei Croissants mitgebracht. Die magst Du doch so gerne.“ Keine Antwort. In der Küche sitzt sie versunken in ihr iPad und wischt sich durch die Zeitung. Gedankenverloren greift sie nach einem Croissant, rupft sich einen Teil ab und steckt ihn sich in den Mund. Einen halben Kaffee später scheint sie so langsam zu realisieren, dass ich auch wieder da bin. In der Zwischenzeit habe ich mehr schlecht als recht auf so einem fast schon wieder trocken-harten Brötchen rum gekaut. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich sie überhaupt gekauft habe. Wenn alle Brötchen nur noch 39 Cent kosten, war klar, dass der Bäcker unten an der Ecke irgendwann schließen musste. Jetzt gibt es halt nur noch den backshop. Die Brötchen da sind aber wirklich ungenießbar. „Danke für das Croissant. Das ist wirklich das einzig genießbare, was dieser Backshop zu Tage bringt“, sagt sie, als wüsste sie genau was ich grad gedacht habe: „Sie mag die Croissants eigentlich auch nicht wirklich. Das ist aber noch die beste aller Alternativen da im Backshop.“

Und so kommen wir ins Gespräch über Brot und Brötchen und wie kompliziert es wohl sein muss, gutes Zeug zu backen. Im Viertel nebenan, also 10 Minuten mit dem Fahrrad, kosten die Brötchen 25% mehr, finden wir auf der Preiskarte raus. Weiterlesen „Brötchen“

Noch mehr Tomaten

„Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau. Guten Abend meine Damen und Herren. Ab morgen ist es soweit. Die bisher 17 verschiedenen Preise für Tomaten werden auf drei Preisstufen zusammengelegt. Der Tomatenpreis erstreckt sich somit von der günstigsten Kategorie über einen Mittelwert mit dem Faktor 1,4 und einem Höchstpreis vom Faktor 1,7. Diese Regelung gilt ab morgen, allerdings nur für Strauchtomaten. Der Verband der Discounter-Supermärkte hat angekündigt, eine Kampagne zur Erhöhung der Kategorien B und C zu starten. Die Preisdifferenz zwischen den günstigsten und teuersten Tomaten solle mindestens bei Faktor 2 liegen. Er wies darauf hin, dass entgegen der Empfehlungen des Rats der Wirtschaftsweisen und entgegen der Meinung der beiden mit dieser Preisanpassung befassten führenden Wirtschaftsinstitute, die Produktion von Biostrauchtomaten zu dem jetzt angesetzten Preis langfristig nicht zu machen sei. Ein Kommentar aus der Biobauern Branche hingegen verwarf diese Befürchtungen. Mit den gegenwärtigen Strukturen und den Einsatz maschineller Ernte- und Verpackungshelfer, seien diese Preise langfristig tragbar. Offenbar habe die Billiggemüseindustrie Angst davor sich dem Qualitätswettbewerb zu stellen.“ Weiterlesen „Noch mehr Tomaten“

Tomaten

„Und noch eine handvoll Tomaten“ las ich auf dem Telefon. „Toll! Dass ihr so was immer auf die letzte Minute einfallen muss.“ dachte ich mir, packte die Sachen vom Band wieder in den Korb und ging in die Gemüseabteilung. „In einer dreiviertel Stunde kommen die Gäste und ich muss noch die Gartenstühle aus dem Keller holen. Aber nein, sie schickt mich mit ihren Extrawünschen durch die Stadt. Dass wir noch Tomaten brauchen, hätte mir aber auch selbst einfallen können.“ setzte ich mein verärgertes Selbstgespräch fort.

Als ich zum Regal mit den Tomaten kam, wurde mir klar, dass unsere Gäste werden stehen müssen. Das mit den Tomaten wird wohl etwas länger dauern und die Stühle werden im Keller bleiben müssen. Ich holte mein Telefon raus und rief zu Hause an. „Du Schatz, was für Tomaten brauchen wir denn?“ fragte ich sie mit meiner freundlichsten Stimme. „Nimm die günstigen. Die sind sowieso nur für den Salat und werden zermatscht.“ – „Ja, aber ab heute gilt doch die Wertangleichung für Tomaten. Die kosten jetzt alle das Selbe. ‘Tomaten sind Tomaten’, wie in der Werbung, weißt Du? Weiterlesen „Tomaten“